(Auszug aus dem Jahresbericht 2015)

Ein Verein wie OBDACH e.V. braucht neben dem großen Engagement seiner Mitarbeiter auch immer ein klares Wissen über Kennzahlen und Strukturen des Vereins und seiner Klienten. Die Spender, die Stadt Heidelberg und das DZI benötigen diese, um die sachgerechte Nutzung der zur Verfügung gestellten Gelder kontrollieren zu können.

Im Laufe des Jahres 2015 betreute OBDACH e.V. insgesamt 94 Menschen. Davon sind 12 ausgezogen und durch neue Mieter ersetzt worden. Der entsprechend der Wohndauer gewichtete Mittelwert ergibt einen Durchschnitt von 85 Betreuten pro Jahr. Vier Mieter wurden in nicht vereinseigenen Wohnungen betreut (Tabelle 1).

Tabelle 1 Anzahl Betreute

Tabelle 2 Die Zahl der Auszüge und die Gründe dafür sind in Tabelle 2 aufgezeigt. Zwei Menschen haben wir bis an ihr Lebensende begleitet und für eine würdige Bestattung gesorgt. Sechs Betreuten ist der Schritt in eine Wohnung und ein Leben unabhängig von OBDACH e.V. gelungen. (siehe auch Tabelle Auszugsursache)

Aus den Daten ermittelten wir eine durchschnittliche Wohndauer von 7,7 Jahren. Naturgemäß ist die Spreizung der Mietzeiten groß: Die längste betrug 34 Jahre, die kürzeste 7 Tage.

Tabelle 2aFür die Bewertung des Betreuungsaufwands ist die Altersstruktur der betreuten Menschen besonders wichtig. Generell gilt: besonders junge und alte Betreute brauchen mehr Aufmerksamkeit – also ist deren Betreuungsaufwand entsprechend hoch. Die Altersverteilung unserer Betreuten verschiebt sich zu höheren Altern. Das erkennt man zum Beispiel daran, dass 2006 ca. 9-10 Betreute 50 Jahre alt waren und dass 2015 eine ähnlich große Gruppe 59 Jahre alt war. Das bedeutet, dass diese jetzt schon 9 Jahre bei OBDACH e.V. wohnen und bei uns „alt werden“.

Darin zeigt sich nicht nur der Erfolg unserer Arbeit,- die Lebenssituation der Betreuten stetig zu verbessern und zu stabilisieren, so dass sie bei uns bleiben wollen- sondern auch, dass der Betreuungsaufwand ständig steigt.

Tabelle 3Tabelle 423 der insgesamt 83 Betreuten (Stichtag 31.12. 15) bezogen 51 ALG II oder Sozial­hilfe, erhielten Rente oder Grundsicherung, zwei bezogen ALG I und 5 einen Lohn auf dem 1. oder 2. Arbeitsmarkt (Tabelle 4 und 5). Dabei ist zu beachten, dass Zusatzjobs und geringfügige Beschäftigung den Bezug von ALG II ergänzen.

Die Betreuungsarbeit wurde von 4 Sozialarbeitern/innen und 12 ehrenamtlichen Betreuern/-innen geleistet. Alle administrativen Aufgaben, Öffentlichkeitsarbeit, Finanzplanung und – kontrolle etc. wurden vom ehrenamtlichen Vorstand, der Geschäftsstelle (2 Teilzeitstellen) und dem Buchhaltungsunternehmen erledigt (Tabelle 6).

Tabelle 9einkommenObwohl es 2015 kaum noch Förderung für Beschäftigungsmaßnahmen gab, zeigte die große Nachfrage nach Minijobs doch, wie hoch das Interesse der Betreuten an einer sinnvollen Beschäftigung ist. Leider sind die zuschlagsfreien Verdienstmöglichkeiten sehr gering, so dass denen, die mehr arbeiten wollen, oft die Motivation genommen wird, das auch zu tun. Trotzdem zeigt sich: Die eingesetzten Mittel wirken. Durch Gehaltskostenzuschüsse und Aufwandsentschädigungen gelingt es OBDACH e.V., ehemals obdachlosen Menschen zu einer sinnvollen und anerkannten Arbeit zu verhelfen.Tabelle 6

Tabelle 5Das uns seit 1995 in ununterbrochener Folge durch das DZI zuerkannte Spenden-Siegel wurde auch für 2015 verlängert. Gut beurteilt wurde wieder der niedrige Verwaltungskostenanteil, der bedeutet, dass Spenden an OBDACH e.V. ungeschmälert in die Betreuungsarbeit fließen (siehe Diagramme).Unberücksichtigt in der Rechnungslegung und damit auch in der Bewertung des DZI sind ehrenamtliche Leistungen (geschätzter Geldwert ca. 100.000 € pro Jahr). Die Sozialleistungen, die die Betreuten erhalten, werden von OBDACH e.V. auf individuellen Treuhandkonten geführt und verwaltet. Auch sie sind nicht in der Rechnungslegung enthalten. Würden diese Beträge mit betrachtet, wäre der Verwaltungskostenanteil noch niedriger.

Laut Satzung führt der Vorstand die Geschäfte ehrenamtlich. Aufwandsentschädigungen sind nicht vorgesehen und fallen nicht an.

Jahresbericht 2015